Noviziatsstudientage in Köln zum Thema Anbetung

Vom 7.-10. März 2016 trafen sich das Noviziat aus Rosheim mit Mutter Marie-Pierre und das Noviziat von Köln zu Studientagen im Kloster der Benediktinerinnen Köln mit dem Thema: Anbetung. Von diesen reichen Tagen des Austauschs und des Miteinanderteilens möchten wir hier Anteil geben.

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Vita Consacrata in Unità, Rom, Januar/ Februar 2016

Internationales Treffen zum Abschluss des Jahres des Geweihten Lebens vom 28. Januar bis 2. Februar 2016 in Rom

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Rom ist große Pilgerströme gewöhnt, auch immer wieder größere Gruppen von Ordensleuten – mal ganz abgesehen von den zahlreichen in der Stadt residierenden Ordensleuten, die zum alltäglichen Stadtbild gehören. Was aber vom 28. Januar bis zum 2. Februar 2016 dort stattfand, war erstmalig in der Geschichte: Papst Franziskus hatte zum Abschluss des Ordensjahres alle Institute des Geweihten Lebens zu einem internationalen Treffen eingeladen: Ordensleute aus aller Welt und allen Richtungen, Frauen des „Ordo Virginum“ (d.h. gottgeweihte Jungfrauen in der Welt, von denen es inzwischen erstaunlich viele gibt), Säkularinstitute, neue Institute und „neue Formen“, die auch Ehepaare und Familien aufnehmen. Sogar Eremiten sollen vereinzelt der Einladung gefolgt sein. Insgesamt kamen Schätzungen zufolge an die 6000 Personen zusammen.

Schnell sprang ins Auge (und ins Ohr), wo der Schwerpunkt des Ordenslebens heute liegt: Die weitaus meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus spanisch sprechenden Ländern, wobei der südamerikanische Slang nicht zu überhören war. Es mag nicht zuletzt an Papst Franziskus liegen, dass Lateinamerika recht gut vertreten war. Man sah aber auch zahlreiche asiatische und afrikanische Gesichter, wobei nicht wenige dieser Ordensleute in europäischen Klöstern eingesetzt sind. Auch aus Europa nahmen stärker die südlichen Länder Spanien und Italien teil, Frankreich ebenso recht zahlreich, Nord- und Mitteleuropa dagegen kaum – mit Ausnahme Polens. Das bedauerliche Fehlen entsprechender mittel- und nordeuropäischer Sprachgruppen und Übersetzungen (Englisch und Polnisch ausgenommen) mag dabei allerdings keine geringe Rolle gespielt haben. Denn nur die Sprachen Italienisch, Spanisch, Französisch und eben Englisch und Polnisch waren von vornherein vorgesehen, was sich natürlich in den Anmeldungen widerspiegelte. Unser Ordensinstitut war erfreulicherweise sehr gut vertreten. Von jeder Föderation waren zwei Schwestern gekommen, in der Regel die Präsidentin und eine andere Schwester. Aus unserer deutschen Föderation nahmen Sr. Theresia Lanfermann (Köln) und Sr. Mirijam Schaeidt (Trier) teil.

Das Treffen, das unter dem Titel stand „Vita consacrata in unità“ (Geweihtes Leben in Einheit), begann am Abend des 28. Januar mit einer beeindruckenden Vigil im Petersdom. Am nächsten Morgen trafen sich alle in der Halle „Paul VI.“ im Vatikan. Nach einem Gebet und der sehr herzlichen Begrüßung durch den Präfekten des Dikasteriums für das Geweihte Leben, Joao Braz Kard. de Aviz, sprach er über „Das Geweihte Leben in der Einheit der Charismen“. Es folgte eine fundierte Abhandlung von P. Christoph Theobald SJ zum Thema: „Das Geweihte Leben in der Kirche. Gemeinsames Fundament in der Vielfalt der Formen“. Für die beiden nächsten Vorträge, die unter dem anspruchsvollen Thema standen „Die kontemplative Dimension des Geweihten Lebens: eine Art, das Heute der Geschichte zu bewohnen. Herausforderungen für die Zukunft“ referierten sinnvollerweise eine Ordensfrau und ein Ordensmann aus verschiedenen Orden und Ländern. Bei der italienischen Äbtissin Maria Ignazia Angelini OSB aus Viboldone kam natürlich ihr Landsmann und Ordensvater Benedikt von Nursia besonders zu Wort, wobei sie unter anderem die Tradition der Lectio Divina betonte. Entsprechend schöpfte der Spanier Miguel Márquez Calle, Provinzial der Unbeschuhten Karmeliten in Kastilien, aus der Mystik seiner spanischen „Ordenseltern“ Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz. In beiden Vorträgen klang die eigene kontemplative Erfahrung im Heute deutlich durch.

Gegen Mittag verließen die meisten die Halle. Die „Kontemplativen“, zu denen auch wir zählten, wurden vom Dikasterium zum Mittagessen an der Päpstlichen Universität Urbaniana eingeladen. Zu Hunderten strömten wir also in einer abenteuerlichen „Prozession“ durch Roms Unterwelt (d.h. unterirdische Durchgänge und Parkhäuser), angeführt von Mons. Orazio Pepe, Leiter der Sektion Vita monastica, an die Uni, wo wir am frühen Nachmittag auch die hl. Messe feierten. Anschließend ging es wieder zurück in den nahegelegenen Vatikan, wo Mons. José Rodríguez Carballo OFM, Sekretär des Dikasteriums, sehr leidenschaftlich über „Das geweihte Leben 50 Jahre nach Lumen Gentium und Perfectae Caritatis. Wege der Umkehr“ sprach. Zum Abschluss wurden Fragen beantwortet, die wir während des Tages schriftlich stellen und in einen Kasten hatten werfen können.

An den folgenden beiden Tagen waren wir nach Lebensformen getrennt. Die „Kontemplativen“ wurden wieder an der Urbaniana erwartet. Offiziell bezeichnet als „klausuriertes monastisches Leben“, waren es vor allem die kontemplativen Frauenorden bzw. die kontemplativen Zweige der entsprechenden Orden: Klarissen, Karmelitinnen, Dominikanerinnen, Benediktinerinnen, Zisterzienserinnen und andere. Die (wenigen) benediktinischen Männer absolvierten ihr Programm in der Gruppe der apostolischen Orden – wobei der eine oder andere Benediktiner sich dann doch mal zu uns „verirrte“. Diese für uns unbefriedigende Wahrnehmung des monastischen Lebens (wobei in einem Vortrag klar wurde, wie mehrdeutig der Begriff „vita monastica“ im Italienischen überhaupt ist, im Gegensatz zum Deutschen) und auch die Verallgemeinerung des weiblich-kontemplativen Ordenslebens als „klausuriertes Leben“ kamen bei einer Aussprache zu Wort. Die Verantwortlichen des Dikasteriums nahmen dies sehr aufmerksam wahr und versprachen, die Besonderheiten des benediktinischen Lebens stärker zu berücksichtigen. Allerdings äußerten auch andere, nicht benediktinische Teilnehmerinnen den berechtigten Wunsch, in erster Linie von ihrer spirituellen Tradition und nicht vom „Klausuriert-Sein“ her wahrgenommen zu werden, das ohnehin (geschichtlich bedingt) nur eine Hilfe und keine wesentliche Eigenschaft des kontemplativen Lebens ist.

Diese Diskussion fand aber erst in der letzten Einheit der Arbeitstage an der Urbaniana statt, an denen bei weitem nicht nur über Klausur geredet wurde. Zunächst einmal die Themen aller Vorträge:

  • Die geschwisterliche Communio in der klösterlichen Gemeinschaft“ (Kard. Braz de Aviz, Präfekt des Dikasteriums)

  • „Bildung in den Klöstern: Erbe der Vergangenheit und Öffnung für die Zukunft“ (Sr. Fernanda Barbiero SMSD, Mitarbeiterin im Dikasterium)

  • „Das autonome Kloster: zwischen Potenzial und Grenzen“ (P. Sebastiano Pacciola, Subsekretär des Dikasteriums)

  • „Die biblisch-theologischen Fundamente der Klausur“ (Mons. José Rodríguez Carballo OFM, Sekretär des Dikasteriums)

  • „Die Föderationen zwischen Gegenwart und Zukunft“ (Mons. Orazio Pepe, Leiter der Sektion für das monastische Leben)

Es war eine Fülle an Informationen und Gedanken, unterbrochen von Gebets- und Mahlzeiten und Austausch in Sprachgruppen zu je 20 Personen, wobei von jeder Gruppe ein schriftliches Protokoll erstellt wurde. Eines wurde deutlich: Die Verantwortlichen des Dikasteriums möchten mit uns ins Gespräch kommen. Sie wollen uns einbeziehen in die Vorarbeit für die neue Apostolische Konstitution zum Ordensleben, die Papst Franziskus demnächst herausgeben wird, nachdem die Konstitution „Verbi Sponsa“ von 1999 von vielen als unbefriedigend empfunden worden war und die veränderte Zeit nach einer neuen Positionierung verlangt. Sie versprachen, dem Papst unsere Anliegen vorzubringen, wobei sie immer wieder betonten, dass er das letzte Wort hat. Im Großen und Ganzen kann man sagen: Wir wurden ernst genommen. Überhaupt waren der Präfekt und seine Mitarbeiter während der gesamten Zeit mit großer Herzlichkeit, Offenheit und beeindruckendem Engagement sehr präsent und zugewandt. Sie scheuten keine Mühe, um uns die Tage so angenehm wie möglich zu machen.

Allerdings hatten sie auch wichtige Anliegen an die Ordensleute. Abgesehen von jenen Anliegen, die den Charakter geistlicher Ermutigungen hatten, wie etwa die Bitte, der Kirche unser Charisma nicht vorzuenthalten, kann man sie in etwa so zusammenfassen:

  • Die Zeit der „isolierten Klöster“ sollte möglichst bald vorbei sein. Alle Klöster, die noch völlig autonom sind (erstaunlicherweise sind es weltweit immer noch die meisten), sollten darauf hin arbeiten, sich in Verbänden wie Föderationen oder Kongregationen zu sammeln, wobei auch darüber nachgedacht wird, den Präsidentinnen der Föderationen und ihren Rätinnen mehr Kompetenzen zu geben, wenn einzelne Klöster nicht mehr in der Lage sind, eine funktionierende Leitung, Noviziatsausbildung und Ökonomie zu garantieren.

  • Die Bildung im Kloster muss einen vorrangigen Stellenwert haben. Damit ist nicht nur Ausbildung und eine bloß intellektuelle Weiterbildung gemeint, sondern kontinuierliche ganzheitliche Bildung vom Eintritt bis zum Tod.

  • Es ist besonders darauf zu achten, wie mit den neu Eintretenden umgegangen wird. Niemand habe das Recht, „das Leben eines jungen Menschen auf dem Altar der Selbstbezogenheit einer Gemeinschaft zu opfern“, hieß es, um ein Kloster krampfhaft zu erhalten oder an nicht mehr zeitgemäßen Ideen und Gewohnheiten festzuhalten. Vielmehr ist achtsam zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die menschliche, spirituelle und intellektuelle Reifung eines jungen Menschen von der Gemeinschaft garantiert werden können. Diesbezüglich wurde zu gemeinsamen Noviziaten mehrerer Klöster und Verbände ermutigt, auch wenn dies unter Umständen bedeuten könne, dass sich der eine oder die andere schließlich für ein anderes Kloster entscheidet. Mit Nachdruck wurde darauf hingewiesen, dass die jungen Menschen nicht unser Eigentum sind.

Nach diesen intensiven Arbeitstagen kamen am vorletzten Tag wieder alle in der Halle „Paul VI.“ zusammen. Zunächst wurden wir mit einer tiefsinnigen Lectio Divina zur Nachfolge Christi beschenkt, vorgetragen von P. Innocenzo Gargano OSB, Kamaldulenser in Rom.

Darauf sollte eine „Podiumsdiskussion“ folgen zum Thema „Geweihte heute in der Kirche und in der Welt, herausgefordert durch das Evangelium“. Aber es war eher ein Zeugnis von Vertreterinnen und Vertretern der verschiedenen Formen geweihten Lebens, moderiert durch P. Federico Lombardi SJ. Von den Benediktinerinnen sprach Sr. Ester Stucchi OSB aus Ronco di Ghiffa, Präsidentin der italienischen Föderation der Benediktinerin vom Hlst. Sakrament.

Nach längerer Wartezeit betrat schließlich unter jubelnder Begrüßung Papst Franziskus die Halle. In seiner gewohnten leisen, klaren, zugewandten Art, bei der man leicht das Gefühl hat, als spräche er zu einem ganz persönlich, gab er uns drei wichtige Stichworte mit auf den Weg, die er jeweils etwas erläuterte: Prophetie – Nähe – Hoffnung. Doch, wie es ebenso zu ihm gehört, beschränkte er sich nicht nur auf das Ermutigen. Er legte den Finger auf die Wunde und sparte nicht mit starken aufrüttelnden Bildern, wo er diese Werte des Evangeliums auch im Kloster gefährdet sieht. Dabei lenkte er den Fokus auf Alltägliches: den Umgang miteinander. Scharf geißelte er den „Terrorismus“ des Murrens und Lästerns im Kloster und nannte solche hingeworfenen Bemerkungen „zerstörerische Bomben“ gegen andere, mit denen sich der Murrende und Lästernde in einer feigen Weise distanziert, anstatt den Dialog unter vier Augen zu suchen und Nähe zu schenken. Wohl um uns nicht allzu sehr mit seinen starken Bildern zu erschrecken, meinte er mit einem schelmischen Lächeln: „Ich weiß ja, dass das in euren Gemeinschaften niemals vorkommt…“ – worauf alle lachten…

Der Abend dieses ereignisreichen Tages klang aus mit einem Konzert. Der Chor „Fideles et Amati“, begleitet vom Orchester der Diözese Rom und von einer Tanzgruppe des römischen Operntheaters, führte das Oratorium „Sulle tracce della Bellezza“ auf, aus Anlass des Jahres des Geweihten Lebens von Marco Frisina komponiert, der auch die Gesamtleitung der Aufführung hatte.

Der Vormittag des 2. Februar war für den Pilgergang durch die „Heiligen Pforten“ der römischen Basiliken reserviert. Unsere Gruppe besuchte die Basilika St. Paul vor den Mauern, verbunden mit einer beeindruckenden gemeinsamen Gebetszeit dort. Nach dem Mittagessen in der Urbaniana musste man sich beeilen, in den Petersdom zu gelangen, wo um 17.30 die Eucharistiefeier mit Papst Franziskus beginnen sollte. Es kamen aber so viele Menschen, dass nicht wenige von uns trotz stundenlangen Schlangestehens seit dem frühen Nachmittag draußen auf dem Petersplatz bleiben mussten und die Feier nur über Großbildschirme und Lautsprecher verfolgen konnten – wobei sie allerdings mehr sahen als mancher im Petersdom. Nach der Feier kam Papst Franziskus überraschend zu ihnen hinaus und gab noch ermutigende Worte mit auf den Weg, die mit so warmer Leidenschaft und Güte gesprochen waren, dass sie hier zum Abschluss zitiert sein mögen:

„Liebe geweihte Brüder und Schwestern! Vielen Dank! Ihr habt an der Eucharistie teilgenommen in kühler Luft, nicht wahr? Aber das Herz brennt! Danke, dass wir so, alle zusammen, dieses Jahr des Geweihten Lebens beenden konnten. Schreitet voran! Jeder von euch hat einen Platz, eine Aufgabe in der Kirche. Bitte, vergesst nicht die erste Liebe, den ersten Ruf. Erinnert euch! Mit jener Liebe, mit der ihr gerufen wurdet, ruft der Herr euch heute weiter. Sie soll nicht abnehmen, sie soll nicht abnehmen – jene Schönheit des Staunens nach dem ersten Ruf. Und dann, arbeitet weiter. Es ist schön! Macht weiter! Es gibt immer etwas zu tun. Das Wichtigste ist das Gebet. Der Kern des Geweihten Lebens ist das Gebet. Betet, und so werdet ihr [betend] alt, ihr werdet alt wie der gute Wein.

Ich sage euch etwas: Mir gefällt es sehr, alten Ordensleuten zu begegnen, die leuchtende Augen haben, weil in ihnen das Feuer des geistlichen Lebens entzündet geblieben ist. Es ist nicht ausgegangen, es ist nicht ausgegangen, dieses Feuer. Schreitet heute voran, jeden Tag, arbeitet weiter und schaut auf das Morgen mit Hoffnung! […]

Mögen diejenigen, die nach uns kommen, das Erbe empfangen, das wir ihnen hinterlassen werden!“

 

Fotos

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Predigt und Schlusswort vom Papst Franziskus am 2. Februar 2016, zum Abschluss des Jahres des Geweihten Lebens

Für die Predigt, bitte hier klicken. (Übersetzung von Radio Vatikan).

 

Nach dem Ende der Eucharistiefeier ging der Papst hinaus auf den Petersplatz, um einige improvisierte Worte an die Gläubigen zu richten, die von dort aus die Feier verfolgt hatten, weil im Petersdom kein Platz mehr für sie war:

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Liebe geweihte Brüder und Schwestern,

Vielen Dank! Ihr habt an der Eucharistie teilgenommen in der kühlen Luft. Aber das Herz brennt!

Danke, dass wir so, alle zusammen, dieses Jahr des Geweihten Lebens beenden können. Schreitet voran! Jeder von euch hat einen Platz, eine Aufgabe in der Kirche. Bitte, vergesst nicht die erste Liebe, den ersten Ruf. Erinnert euch! Mit jener Liebe, mit der ihr gerufen wurdet, ruft der Herr euch heute weiter. Sie soll nicht abnehmen, sie soll nicht abnehmen – jene Schönheit des Staunens nach dem ersten Ruf. Dann, arbeitet weiter. Es ist schön! Macht weiter! Es gibt immer etwas zu tun. Das Wichtigste ist das Gebet. Der Kern des Geweihten Lebens ist das Gebet. Betet! Und so werdet ihr alt, ihr werdet alt wie der gute Wein.

Ich sage euch etwas: Mir gefällt es sehr, alten Ordensleuten zu begegnen, die leuchtende Augen haben, weil sie das Feuer des geistlichen Lebens entzündet haben. Es ist nicht ausgegangen, es ist nicht ausgegangen, dieses Feuer. Schreitet heute voran, jeden Tag, arbeitet weiter und schaut auf das Morgen mit Hoffnung, den Herrn um neue Berufungen bittend. So kann unser Werk des Geweihten Lebens voranschreiten.

Die Erinnerung: Vergisst nicht den ersten Ruf!

Die Arbeit aller Tage,

und dann die Hoffnung, voranzuschreiten und gut zu säen.

Mögen die anderen, die hinter uns kommen, das Erbe empfangen, das wir ihnen hinterlassen werden!

Und jetzt beten wir zur heiligen Junfrau. Ave Maria… [Segen]

Einen schönen Abend und betet für mich!

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Ansprache des Heiligen Vaters an die Personen des Geweihten Lebens am 1. Februar 2016

Liebe Schwestern und Brüder,

Ich habe einen Text vorbereitet zu diesem Anlass, um ihn euch vorzutragen, über die Themen des gottgeweihten Lebens, über drei Säulen; es gibt noch mehr, aber es sind drei wichtige für das Geweihte Leben. Die erste ist die Prophetie, die zweite ist die Nähe und als dritte die Hoffnung. Prophetie, Nähe, Hoffnung. Ich habe den Text dem Kardinal Präfekten gegeben, denn es ist ein bisschen langweilig, ihn vorzulesen, und ich spreche mit euch lieber aus dem Herzen. Einverstanden?

Liebe Ordensleute, Männer und Frauen, die dem Dienst des Herrn geweiht sind, die in der Kirche diesen Weg gehen einer starken Armut, einer keuschen Liebe, die zu einer geistlichen Väterlichkeit und Mütterlichkeit für die ganze Kirche führt, und eines Gehorsams. Aber beim Gehorsam fehlt uns immer etwas, denn der vollkommene Gehorsam ist der des Sohnes Gottes, nicht wahr, der sich entäußert hat, Mensch geworden ist, aus Gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Aber es gibt unter euch Männer und Frauen, die einen starken Gehorsam leben – nicht militärisch, nein, das nicht, das wäre Disziplin, das ist etwas Anderes –, die einen Gehorsam der Hingabe des Herzens leben. Und das ist Prophetie. „Aber – hast du keine Lust, dies oder jenes zu tun?…“ „Ja, aber… nach der Regel muss ich das und das und das tun. Und nach den Befindlichkeiten das und das und das. Und wenn ich etwas nicht klar sehe, spreche ich mit dem Oberen, mit der Oberin, und nach dem Dialog gehorche ich.“ Das ist Prophetie gegen den Samen der Anarchie, den der Teufel sät: „Was machst du?“ „Ach, ich mache das, was mir gefällt!“ Die Anarchie des Willens ist Tochter des Teufels, nicht Gottes. Der Sohn Gottes war nicht anarchisch. Er hat die Seinen nicht gerufen, um eine Kraft und Resistenz gegen seine Feinde aufzubauen. Und er sagte zu Pilatus: „Wäre ich ein König dieser Welt, so hätte ich meine Soldaten gerufen, um mich zu verteidigen.“ Aber er hat dem Vater gehorcht. Er betete nur: „Vater, bitte, nein, diesen Kelch nicht… Aber es geschehe, wie du willst.“ Wie oft wird uns etwas aufgetragen, das uns nicht gefällt. [Er macht eine Geste des Schluckens und lächelt.] Man muss es schlucken, und man tut es auch.

Das ist also Prophetie. Es ist, den Leuten zu sagen: „Es gibt einen Weg des Glücks, der Größe, einen Weg, der dich mit Freude erfüllt. Es ist der Weg, den Jesus geht, der Weg der Nähe des Herrn.“ Sie ist eine Gabe, ein Charisma – die Prophetie, und man muss sie vom Hl. Geist erbitten: Ich möge es verstehen, jenes Wort zur rechten Zeit zu sagen, jene Tat im rechten Augenblick zu tun, auf dass mein ganzes Leben eine Prophetie sei. Prophetische Männer und Frauen sein – das ist sehr wichtig. „Aber machen wir doch wie alle Welt…“ Nein! Prophetie ist, zu sagen, dass es mehr gibt: wahrer, schöner, größer, besser, zu dem wir alle gerufen sind.

Das andere Wort ist Nähe. Geweihte Männer und Frauen sein – aber nicht, um mich zu entfernen von den Leuten und alle Bequemlichkeiten zu haben – nein, vielmehr um mich zu nähern und das Leben der Christen und der Nichtchristen zu verstehen: die Leiden, die Probleme und so viele Dinge, die nur zu verstehen sind, wenn ein geweihter Mann, eine geweihte Frau zu Nächsten werden. „Aber Pater, ich bin eine Klausurschwester, was soll ich machen?“ Denkt an die hl. Theresia vom Kinde Jesu, Patronin der Missionen. Mit ihrem brennenden Herzen war sie den Menschen nahe. N ä h e ! Geweiht zu sein bedeutet nicht, ein, zwei, drei Stufen aus der Gesellschaft hervorzuragen. Es ist wahr, oft hören wir Eltern sagen: „Pater, ich habe eine Tochter im Kloster, ich habe einen Sohn, der Mönch ist.“ Und sie sagen es mit Stolz. Es ist wahr, es ist eine Befriedigung für die Eltern, geweihte Kinder zu haben, das ist wahr. Aber für die Geweihten selbst ist es nicht ein Lebensstand, der mich auf die anderen von oben herab schauen lässt. Das Geweihte Leben muss mich in die Nähe der anderen bringen! Körperliche, geistliche Nähe, um die Menschen kennenzulernen. „Ach, ja, Pater, in meiner Gemeinschaft hat uns die Oberin erlaubt, hinauszugehen zu den Leuten in den Armenvierteln.“ „Sag mir, gibt es in deiner Gemeinschaft alte Schwestern?“ „Ja, ja, wir haben eine Infirmerie im ersten Stock.“ „Ach ja, und wie oft am Tag besuchst du die Schwestern, die deine Mutter oder deine Großmutter sein könnten?“ „Ach, Pater, ich bin sehr mit der Arbeit beschäftigt, und ich schaffe das nicht.“ N ä h e ! Wer ist der Nächste eines Geweihten, einer Geweihten? Der Bruder oder die Schwester der Gemeinschaft. Das ist euer erster Nächster. Und es ist eine schöne Nähe, eine gute, liebevolle Nähe.

Ich weiß, in euren Gemeinschaften wird niemals gelästert, niemals, niemals… [Alle lachen…] Lästern ist eine Art, sich zu distanzieren von den Brüdern und von den Schwestern der Gemeinschaft. Das ist der Terrorismus des Lästerns. Ich sage nicht bloß Lästern – Terrorismus des Lästerns! Denn wer lästert, ist ein Terrorist, ein Terrorist in der eigenen Gemeinschaft. Denn er wirft eine Bombe – ein Wort gegen den, gegen den und gegen den, und dann geht er weg, als ob nichts wäre. Wer das tut, zerstört wie eine Bombe, und dann entfernt er sich. Jakobus sprach von der schwersten menschlichen und spirituellen Tugend: die Beherrschung der Zuge. Bist du versucht, etwas gegen deinen Bruder, gegen deine Schwester zu sagen, dann beiß auf die Zunge! [Er macht es vor.] Terrorismus in den Gemeinschaften? Nein! „Aber Pater, wenn es etwas gibt, einen Fehler, der zu korrigieren ist?“ „Sag zu der Person: ‚Das und das stört mich‘ oder: ‚Es ist nicht gut.‘ Und wenn es nicht angebracht ist – denn manchmal ist es nicht klug –, sagst du es der Person, die Abhilfe schaffen kann, die das Problem lösen kann, und niemandem sonst, verstanden?“ Die Lästerungen helfen nicht. „Aber im Kapitel?“ „Dort schon! In der Öffentlichkeit [der Gemeinschaft] sag alles, wovon du spürst, dass du es sagen musst.“ Denn es gibt die Versuchung, die Angelegenheit nicht im Kapitel anzusprechen, und hinterher geht es draußen los: „Hast du gesehen – die Priorin? Hast du gesehen – die Äbtissin? Hast du gesehen – der Obere?“ „Aber warum hast du das nicht im Kapitel angesprochen?“ „Äh, …“ Nein, das ist nicht recht. Ist das klar?

Sie ist kostbar, die Tugend der Nähe. Und die Heiligen hatten das. Die heiligen Geweihten hatten das. Die hl. Theresia vom Kinde Jesu hat sich niemals beklagt über die Arbeit, die Mühe, die ihr die Schwester machte, die sie ins Refektorium begleiten musste, jeden Abend vom Chor ins Refektorium. Niemals. Die arme Schwester war sehr alt und fast gelähmt, sie hatte Schmerzen, ich verstehe das. Und vielleicht war sie auch ein bisschen neurotisch. Nie hat Theresia zu einer anderen Schwester gesagt: „Welche Mühe macht mir diese Schwester!“ Sie half ihr, sich zu setzen, sie reichte ihr die Serviette, schnitt ihr das Brot – und schenkte ihr ein Lächeln. Nähe nennt man das. Aber wenn du die Bombe einer Lästerung in deine Gemeinschaft wirfst – das ist keine Nähe, das ist Krieg. Das ist Sich-Distanzieren, das ist Provozieren: Distanz, Anarchismus. Gelänge es jedem von euch in diesem Jahr der Barmherzigkeit, niemals den lästernden Terroristen zu spielen – das wäre ein Ereignis für de Kirche, ein Ereignis großer Heiligkeit. Habt Mut, gelt? Die N ä h e !

Und dann die Hoffnung. Ich gestehe: Es fällt mir so schwer, wenn ich die Bischöfe empfange und frage: „Wie viele Seminaristen habt ihr?“ „Vier, fünf.“ Gehe ich in eure Gemeinschaften, männliche oder weibliche: ein Novize, eine Novizin, zwei. Und die Kommunität altert, altert, altert… Es gibt Klöster, große Klöster – mein Freund Kardinal Vallejo in Spanien erzählte mir, wie viele es dort sind –, die von vier, fünf alten Schwestern bis zum Schluss geführt werden. Das bringt mich in die Versuchung gegen die Hoffnung. „Aber Herr, was passiert da?! Warum ist der Leib des Geweihten Lebens so unfruchtbar!“ Manche Gemeinschaften machen das Experiment einer künstlichen Befruchtung. Was machen sie? Sie nehmen auf: „Ja, komm, komm, komm…“ Und wenn dann die Probleme drinnen sind… Man muss aufnehmen mit Ernsthaftigkeit, man muss gut unterscheiden, ob es hier um eine echte Berufung geht – und ihr dann helfen zu wachsen. Und ich glaube, gegen die Versuchung zur Verzweiflung, die diese Unfruchtbarkeit nach sich zieht, müssen wir umso mehr beten. Beten, ohne müde zu werden. Mir tut es so gut, diesen Text der Schrift zu lesen über Hanna, die Mutter des Samuel. Sie betete, wollte einen Sohn. Sie betete, bewegte die Lippen, betete. Und der alte Priester, der ein bisschen blind war und sie nicht gut sah, hielt sie für betrunken. Aber das Herz dieser Frau betete unaufhörlich: „Ich möchte einen Sohn, ich möchte einen Sohn.“ Ich frage euch: Beten eure Herzen angesichts dieser Abnahme von Berufungen mit solcher Inständigkeit? „Unsere Gemeinschaft braucht Söhne, unsere Gemeinschaft braucht Töchter.“ Der Herr, der so großzügig gewesen ist, wird es nicht versäumen, sein Versprechen zu halten. Aber wir müssen bitten, wir müssen an die Tür seines Herzens klopfen. Denn es besteht eine Gefahr. Das ist hart, aber ich muss es sagen: Wenn eine Gemeinschaft sieht, dass sie keinen Nachwuchs hat und immer kleiner wird, klammert sie sich ans Geld. Ihr wisst: Das Geld ist der Dünger des Teufels. Wenn eine Gemeinschaft nicht mit Nachwuchs gesegnet ist, denkt sie, das Geld werde ihr Leben retten. Sie denkt an das Alter: „Dies soll mir nicht fehlen, das soll mir nicht fehlen“. Hier gibt es keine Hoffnung! Die Hoffnung ist nur im Herrn! Das Geld wird sie dir niemals geben. Im Gegenteil, es wird dich umwerfen! Verstanden? Das wollte ich euch sagen, anstatt den Text vorzulesen, den der Kardinal euch später geben wird…

Ich danke euch sehr für alles, was ihr tut – die Geweihten, jeder mit seinem Charisma. Und ich möchte unterstreichen: die geweihten Frauen. Was wäre die Kirche ohne Schwestern? Das habe ich schon einmal gesagt: Gehst du in ein Krankenhaus, in die Schulen, in die Pfarreien, in die Stadtteile…, in die Missionen – da sind Männer und Frauen, die ihr Leben hingegeben haben. Bei meiner letzten Reise nach Afrika – ich meine, das hätte ich schon einmal in einer Audienz erzählt – habe ich eine italienische Schwester von 83 Jahren getroffen, und sie sagte mir: „Ich bin hier, seitdem ich – ich erinnere mich nicht mehr genau, ob 23 oder 26 – Jahre alt war. Ich bin Krankenschwester in einem Krankenhaus.“ Seit ihrem 26. Lebensjahr, sagen wir mal, bis zum 83. Lebensjahr. „Und ich habe meinen Angehörigen in Italien geschrieben, dass ich nicht mehr zurückkomme.“ Wenn du auf ein Friedhof in Afrika gehst, und du siehst, wie viele Missionare dort begraben liegen, und so viele Schwestern, die um das 40. Lebensjahr herum gestorben sind, weil sie Krankheiten aufgefangen haben – diese Fieber jener Länder –, die haben ihr Leben hingegeben. Und du sagst: Das sind Heilige! Das sind Samen! Bitten wir den Herrn, auf diese Friedhöfe herabzusteigen und zu sehen, was unsere Vorfahren gemacht haben, und bitten wir ihn um Berufungen. Wir brauchen sie!

Ich danke euch so sehr für diesen Besuch. Ich danke dem Kardinal Präfekt, dem Monsignore Sekretär, den Subsekretären, für das, was ihr gemacht habt in diesem Jahr des Geweihten Lebens. Aber bitte, vergesst nicht die Prophetie des Gehorsams, die Nähe – der wichtigste Nächste, der nächste Nächste ist der Bruder, die Schwester der Gemeinschaft. Und dann die Hoffnung, ja? Der Herr soll euch Söhne und Töchter für eure Gemeinschaften schenken.

Und betet für mich. Danke.

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Versammlung der Novizenmeisterinnen in Ronco di Ghiffa im Oktober 2015

Im Oktober 2015 versammelten sich die Novizenmeisterinnen der Klöster aus mehreren Ländern erstmals zu einer internationalen Arbeitswoche in unserem Kloster in Ronco di Ghiffa am Lago Maggiore. Der lebendige Austausch war für alle eine wichtige Erfahrung, die auf jeden Fall fortgesetzt werden wird.

Ronco

Kapelle in Ronco di Ghiffa

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Konföderationsversammlung in Rosheim 2014

Im März 2014 fand in Rosheim im Elsass die Konföderationsversammlung der Benediktinerinnen
vom Hlst. Sakrament statt.

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Internationale Studientage in Rosheim (Elsass), März 2011

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Wer zwischen dem 14. und dem 18. März 2011 die kleine neugotische Klosterkirche der Benediktinerinnen vom Hlst. Sakrament in Rosheim (Elsass) während der Liturgie betrat, fand eine bunt gemischte feiernde Gemeinde von über 40 Schwestern vor. Bunt war das Meer ihrer Ordensgewänder und Schleier – blau, schwarz, beige, weiß –, verschiedenartig die Hautfarben – nordeuropäisch hell, südeuropäisch braun, afrikanisch schwarz – vielfältig klangen ihre Gesänge, bei denen die afrikanischen Trommeln nicht fehlten. Aus Frankreich, Polen, Italien, Deutschland, Niederlande und Uganda waren sie ins Elsass gereist. Gemeinsam wollten sich die Benediktinerinnen vom Hlst. Sakrament mit der Spiritualität ihrer Gründerin, Mechtilde de Bar (1614-1698), beschäftigen – unter dem Motto: „Lasst uns Jesus Christus als unser Leben anbeten.“ Die meisten Schwestern waren „jung“, zumindest nach Eintrittsalter, einige Novizinnen und Triennalprofessen befanden sich darunter, sowie Schwestern, deren Gemeinschaften in Uganda sich auf den Übertritt in unser Ordensinstitut vorbereiten. M. Marie-Pierre Bonavallot, Priorin in Rosheim, und ihre Gemeinschaft nahmen sie alle überaus herzlich auf. Nicht weniger herzlich und bewegt war der Willkommensgruß der französischen Föderation durch ihre Präsidentin, M. Marie-Véronique Ducroq aus Rouen, am ersten Abend, sowie die Bekundung der Verbundenheit durch andere Klöster, die nicht anwesend sein konnten.

Bezeichnend für die Studientagung war, dass sämtliche Vorträge von den Schwestern selbst erarbeitet und gehalten wurden. Es war also mehr ein Teilen – partager, wie die Franzosen so gern sagen – als ein Belehren; immer wieder im Wechsel zwischen Vortrag und Austausch in Kleingruppen oder im Plenum, erfrischend lebendig moderiert durch M. Marie-Esther Stucci, Priorin in Tarquinia und Präsidentin der italienischen Föderation. Als Übersetzerin diente Martha Krylow, eine Studentin aus Bonn, dazu die eine oder andere mehrsprachige Schwester, wie es sich ergab. Die Sprachvielfalt erforderte wohl einiges an Zeit und Geduld, nicht selten unterbrochen durch ein herzliches Lachen, da alle irgendwie von Spracheinschränkungen betroffen waren. Der Austausch klappte! Dabei waren die besprochenen Themen alles andere als leicht. Unter der Leitung von Sr. Theresia Lanfermann aus Köln, die mit viel Begeisterung und Wärme die Tagung im wesentlichen organisiert hatte und durchführte, waren sie zuvor den verschiedenen Föderationen zugeordnet worden.

Grundlage der Spiritualität unserer Tradition ist ein ausgeprägtes Bewusstsein der Taufe. Mit diesem Thema beschäftigten sich die polnischen Schwestern. Sr. Dominika Perzyna aus Warschau befragte dazu die Briefe Mechtildes an die Gräfin Marie von Châteauvieux, eine Freundin und Wohltäterin des ersten Klosters in Paris, die von Mechtilde geistlich begleitet wurde. Mechtilde traute den Laien aufgrund der Taufgnade ein genau so intensives geistliches Leben zu wie den Ordensleuten und Priestern. Nach ihrer Ansicht ist die Profess lediglich ein „Mittel“ – neben vielen anderen –, zu dem sich die Ordensleute verpflichten, um die Gnade der Taufe anzunehmen und mit aller Konsequenz entsprechend zu leben. Die Laien tun dies nicht weniger, nur auf andere Weise. Sr. Dominika stellte diesen durch das 2. Vatikanische Konzil uns heute recht vertrauten Gedanken in den Zusammenhang der Auseinandersetzungen des 17. Jahrhunderts, nicht zuletzt der durch die Reformation auch im Katholizismus entstandenen Zweifel am Sinn und Wert der Gelübde. Mechtilde lässt sich von diesen Auseinandersetzungen nicht beeindrucken, sondern wendet sich einer tieferen Ebene zu: zur unbedingten Wertschätzung der Taufe als bedingungsloses Geschenk der Liebe Gottes, als reine Quelle des Lebens, die jeder und jedem zugänglich ist und aus der alles andere erwächst und seinen Wert hat, auch die Profess.

Für die italienische Föderation war das erste Kapitel des Buches „Der wahre Geist“ von Mechtilde de Bar vorgesehen, in dem es um Grundsätzliches zu unserer Berufung geht. Zunächst teilte uns Sr. Maria-Carla Valli (Montefiascone) mit temperamentvollem Engagement Wissenswertes zur Redaktionsgeschichte des „Wahren Geistes“ mit, was den Zugang zu diesem anspruchsvollen Buch des 17. Jahrhunderts erleichterte und manche Frage im Vorfeld klärte. Sie betonte die mystische Erfahrung Mechtildes, aus der heraus sie die Texte geschrieben hatte, die wiederum nur mit einer gewissen Erfahrung richtig verstanden werden können. Ein weiterer Vortrag der italienischen Schwestern bestand aus Beiträgen einzelner Klöster zu verschiedenen Schlüsselbegriffen in dem genannten Kapitel. Sie zeigten die Vielfalt der Facetten darin und natürlich auch die Verschiedenheit der Gemeinschaften, die ihre Gedanken zusammengetragen hatten. Der Text wurde von Sr. Maria Carla Valli (Montefiascone), Sr. Mariastella Bartoli (Mailand) und Sr. Edith Moriggia (Ronco di Ghiffa) vorgetragen.

Die Schwestern von Tororo und Arúa (Uganda) erarbeiteten etwas zum 2. Kapitel des „Wahren Geistes“, das sich mit den erforderlichen Grundhaltungen derer beschäftigt, die sich zu einem Leben als Benediktinerinnen vom Hlst. Sakrament vorbereiten. Das Thema war für sie besonders angebracht, da sie sich gerade darauf vorbereiten, in unser Ordensinstitut aufgenommen zu werden. Mit afrikanischer Unmittelbarkeit, Konkretheit und Frische teilten sie uns durch Sr. Gemma Lunyol (Tororo) und Sr. Rita Mkasahani (Arúa) ihre Gedanken mit, die klar in der Hl. Schrift verwurzelt sind und zugleich die Menschen heute im Blick haben. Es war ermutigend, diese jungen afrikanischen Schwestern zu hören, für die vieles noch recht neu ist. Tororo hatte früher einmal zu unserem Ordensinstitut gehört, gegründet durch das niederländische Kloster Breda. Es hatte sich bald aber aufgrund der politischen Unruhen im Land von uns getrennt, da die niederländischen Gründerschwestern das Land verlassen mussten und die Kontaktmöglichkeiten nach Europa fast unmöglich geworden waren. Sie lebten jedoch als benediktinische Gemeinschaft weiter. Nun kehren sie zurück zu ihren Wurzeln. Die Gemeinschaft von Arúa, die noch nicht zum Orden St. Benedikts gehört, pflegt seit längerer Zeit eine ausgeprägte eucharistische Spiritualität und hat ebenfalls um Aufnahme gebeten. Der Eifer und die Offenheit dieser Schwestern in der Beschäftigung mit unserer Spiritualität – in afrikanischer Weise – beeindruckten und bereicherten die Europäerinnen mit ihrer langen Tradition, die oft genug konfrontiert werden mit Ermüdung und Abbau in Gemeinden und Klöstern des Kontinents.

Die niederländischen Schwestern durften sich mit dem anspruchsvollen Thema „Victima“ (Opfergabe) befassen, die wir immer mehr werden sollen, wie Paulus sagt (vgl. Röm 12,1f), und wie die Liturgie uns immer wieder erinnert (vgl. 4. Hochgebet). Mechtilde meint mit dem Begriff „Victima“ die Ganzhingabe in Taufe und Profess, konsequent gelebt in der Kraft der Liebe, die in der eucharistischen Hingabe Jesu uns geschenkt ist und den Tod überwindet. Sr. Bernarda Kötting aus Tegelen hatte mit großem psychologischen und spirituellen Gespür einen theologisch sehr gut fundierten Text erarbeitet. Vor allem stellte sie die Verbindung zum eucharistischen Weg Jesu dar, an dessen Liebe wir teilnehmen dürfen. In Mechtildes Texten wird diese Verbindung sehr deutlich. Geradezu originell und zeitgemäß war Sr. Bernardas Gedanke, dass ein nicht geringer Teil unseres Weges als „Victima“ gerade darin besteht, aus unserem „gewöhnlichen“ Opferhabitus auszuziehen, in dem wir uns oft selbstverliebt einrichten. Das insgeheim murrende, sich in Selbstmitleid verzehrende Herz lässt uns leicht ungerechtfertigte Ansprüche stellen und verhärtet mit der Zeit. Was Mechtilde und lange vor ihr Paulus dagegen mit „Victima“ meinten, ist alles andere als ein „Opfersyndrom“, vielmehr ein Aushalten der Liebe Gottes, schließlich ein Ausdruck innerer Freiheit und gereifter Liebe von Menschen, die sich von diesem Geschenk treffen, umwandeln und leiten lassen. Es ist ein Leben in Gemeinschaft mit der „Victima Paschalis“, Jesus Christus, der durch sein Sterben und Auferstehen zum „Victor“ (Sieger) über Leben und Tod geworden ist.

Nicht weniger anspruchsvoll war das Thema der Deutschen: das „Nichts“ in den Schriften Mechtildes. Sr. Bernadette Tonne (Osnabrück) hatte ihrem Beitrag die Überschrift gegeben: „Im Nichts die Fülle finden“. Es gelang ihr, ein von Natur aus für die Menschen schwer einsehbares „Lebensgesetz“ mit einfachen Worten zu erläutern und dabei aus den unterschiedlichsten Erfahrungen von Menschen zu schöpfen – auch aus eigenen. Ob Sokrates, das Johannesevangelium, Benedikt von Nursia (vor allem im 7. Kapitel seiner Regel), Johannes vom Kreuz, Meister Eckehard, Mechtilde de Bar und viele andere – auch der Volksmund ahnt es –, sie alle bezeugen: Wo der Mensch glaubt, am Ende zu sein, im „Nichts“ zu enden,ereignet sich unerwartet neues Leben, in einer zuvor ungeahnten Dichte und Fülle. Im Licht der unendlichen Liebe Gottes, die sich durch nichts besiegen lässt, kann es als Gemeinschaft mit dem Herrn erkannt werden und zum Leben mit allem Licht und Schatten ermutigen. Sr. Bernadette vermied jedoch – bei aller Begeisterung für das Thema – jede subtile Verliebtheit in geheimnisvoll anmutende Begriffe, wie etwa das des „Nichts“. Sie wies darauf hin, dass wir auf dem Weg des Loslassens schließlich sogar Begriffe und Vorstellungen loslassen müssen, um uns ganz der umgestaltenden Dynamik des Geistes anzuvertrauen, die Leben in Fülle schenkt.

Die französische Föderation lenkte unseren Blick auf die Früchte dieses spirituellen Weges zu Mechtildes Zeiten. Eine besonders schöne Frucht war ihre Gründung des Klosters Rouen, einer der wenigen Gemeinschaften, die seit dem Anfang im 17. Jahrhundert die zum Teil sehr bewegten Zeiten bis heute überlebt haben. Sr. Marie-Jean Manoury aus Rouen beschenkte uns mit einem Vortrag zu Briefen Mechtildes im Zusammenhang mit der Grün- dung ihres Klosters. Sie ermöglichte uns so einen schönen Einblick in die herzliche Beziehung unserer Gründerin zu ihren Mitschwestern, in ihre teilnehmende Sorge, in ihr tiefes spirituelles Empfinden, das auch durch praktische Anweisungen hindurch zu spüren ist, in das lebendige Bewusstsein ihres Auftrags.

Höhepunkt und zeitliche Mitte der Tagung war eine kleine Pilgerfahrt in die Geburtstadt Mechtildes, Saint-Dié des Vosges (Lothringen), die von der französischen Föderation organisiert und großzügig finanziert worden war. Dort empfingen uns der Bischof von Saint-Dié, Mgr. Jean-Paul Mathieu, sein Generalvikar Abbé Pierre-Jean Dumenil, sowie Daniel Grandidier, Leiter des Diözesanmuseums, die den ganzen Tag bei uns blieben. Außerdem begleitete uns Benoît Larger, ein Ratsherr von Saint-Dié, durch dessen Veranlassung es in der Stadt inzwischen einen Catherine-de-Bar-Platz gibt. (So lautet Mechtildes Taufname.) Wir feierten die Eucharistie in der Kathedrale, damals Mechtildes Tauf- und Pfarrkirche, und erneuerten unser Taufversprechen. Die Kirche war im 2. Weltkrieg zerstört und danach wieder aufgebaut worden, doch es gibt noch einige Teile der ursprünglichen Kirche aus dem 12. Jahrhundert zu sehen, auch die Taufkapelle, wie Mechtilde sie wohl gekannt hatte. Eine ausführliche Kirchenführung im Anschluss an die liturgische Feier schenkte uns Einblick in die architektonischen und geschichtlichen Details des Gotteshauses. Darauf durften wir in einer Mediathek neben der Kathedrale unter anderem den Taufeintrag von Catherine de Bar im Original sehen.

Nach dem Mittagessen in der katholischen Schule Saint-Marie besuchten wir die Kapelle Saint-Roch oberhalb der Stadt. Diese Gebetsstätte, die sich mehr oder weniger noch im Originalzustand befindet, suchte Catherine als Kind nach dem Tod ihrer Mutter häufig auf, vertraute sich dort der Gottesmutter an und versorgte die Kapelle mit Blumen. Es war ein dichter Moment, als wir an diesem Ort gemeinsam den Angelus beteten.

Fotos

 

Veröffentlicht unter Studientage | Kommentare deaktiviert für Internationale Studientage in Rosheim (Elsass), März 2011