Unsere Gründer

      Benedikt von Nursia (480-547)                 Mechtilde de Bar (1614-1698)

Es ist die Zeit der Völkerwanderung, die Endzeit des „Römischen Reiches“, als die Spätantike langsam ins Mittelalter übergeht. Benedikt, ein Junge in Nursia in Italien (heute: Norcia), blickt selbstvergessen auf die hohen Bergkämme, die seine Heimatstadt umgeben, lässt den Blick an den steilen Hängen entlang in die dunklen Täler gleiten, um dann wieder zu den sonnigen Gipfeln aufzublicken, und macht sich tiefe Gedanken über Gott und die Welt. Von der Unruhe seiner Zeit weiß das Kind, das zusammen mit seiner Zwillingsschwester Scholastika 480 in einer christlichen Familie des beschaulichen Städtchens zur Welt gekommen ist, noch nichts.

Bei seinem Studium in Rom wird der junge Benedikt wenige Jahre später mit den Geistesströmungen und der allgemeinen Orientierungslosigkeit seiner Zeit heftig konfrontiert. Die Sittenlosigkeit, die er um sich herum im quirligen Rom sieht, stößt ihn ab. Auf der Suche nach Sinn und Orientierung spürt er eine große Sehnsucht nach Wahrheit, nach Klarheit, nach Ordnung, nach wahrem Leben, nach Gott, auf den er aufmerksam hören möchte. In der lauten, schrillen Großstadt ist das Hören auf Gott dem nachdenklichen Studenten aber kaum möglich. Entschlossen hängt er trotz brillanter Begabung sein Studium an den Nagel und geht in die Einsamkeit.

Drei Jahre verbringt Benedikt, der Sohn aus wohlhabender Familie, unter einfachsten Bedingungen in einer Höhle bei Subiaco. Seine Tage lebt er im Rhythmus von Gebet und Arbeit. Er ist glücklich, Gott, nach dem er sich sehnt, das Ohr seines Herzens beständig neigen zu können, ohne immer wieder dabei abgelenkt zu werden. Aber er wird umso mehr kompromisslos mit sich selbst konfrontiert: mit den eigenen Abgründen, mit Grenzen und unverarbeiteten Erfahrungen, wie sie jeder Mensch verborgen in sich trägt. Er reift dabei immer mehr seiner Berufung entgegen – nicht ohne Kampf, aber auch nicht ohne Hoffnung.

Hirten entdecken ihn und vertrauen ihm ihre Probleme an. Sie fühlen sich von ihm verstanden und angenommen. Man erzählt es sich weiter, sein Ruf breitet sich aus, und bald wird er gebeten, die Leitung des nahegelegenen Klosters Vicovaro zu übernehmen. Er versucht es, doch ohne Erfolg. Benedikt ist den dortigen Mönchen zu kompromisslos, sie ihm zu bequem und hinterhältig, zu wenig bereit zur Umkehr. Sie entwickeln Hass auf ihn und versuchen ihn sogar zu vergiften. Benedikt verlässt Vicovaro und gründet selber zwölf kleine Gemeinschaften in der Umgebung, die er leitet. Er stößt dabei immer wieder auf Schwierigkeiten wie Neid, Widerstände und Intrigen. Doch er lässt sich nicht beirren.

529 zieht er mit einer kleinen Schar von Mönchen nach Cassino, südlich von Rom, wo er auf dem Monte Cassino ein Kloster erbaut. Dort schreibt er nach vielen Jahren der Erfahrung in der Leitung der Gemeinschaft die „Regel“ für die Gemeinschaft, die aus 73 meist kurzen Kapiteln besteht. Sie sollen als Weisung für das monastische Leben dienen, als Hilfe, um einen guten Anfang auf der Suche nach Gott zu finden. Sie betreffen die innere Haltung vor Gott, das Gebet, die Organisation des klösterlichen Alltags im Rhythmus des „Ora-et-labora“ (bete und arbeite), die Verbindungen nach außen (Gastfreundschaft), die Beziehungen untereinander.

Auch seine Schwester Scholastika lebt nach dieser Regel in einer Frauengemeinschaft, von der aus sie ihren Bruder jedes Jahr besucht. Sie lebt sie, aber als Frau, mit eigenen Akzenten, wie es bei den Begegnungen der beiden deutlich wird.

Am 21. März 547 stirbt Benedikt auf dem Monte Cassino. Seine Lebensform breitet sich rasch in ganz Europa aus. Seine Schwester Scholastika wird zu einer wichtigen Bezugsperson des weiblichen monastischen Lebens, das die religiöse und zivilisatorische Entwicklung auf unserem Kontinent bis heute zusammen mit dem männlichen Mönchtum geprägt hat. Inzwischen gibt es Benediktinerinnen und Benediktiner auf der ganzen Welt.

 

Catherine, wie sie mit Taufnamen heißt, erblickt das Licht der Welt am 31. Dezember 1614 in St. Dié (Lothringen), als drittes von insgesamt sechs Kindern der Landadligen Jean de Bar und Marguerite de Guillon. Als Kind ist sie oft krank, zeitweise sogar blind. In dieser Zeit schaut sie vor allem nach innen, in die Tiefe, wo sie nichts sieht und doch mehr erkennt, als Sehende sehen können. Ihre Mutter stirbt, als Catherine noch minderjährig ist. In ihrer Not vertraut sie sich der Gottesmutter Maria an und erwählt sie als ihre Mutter. Diese Erfahrungen wecken in dem vielseitig begabten Mädchen schon früh ein tiefes Gespür für die Gegenwart Gottes in ihrem Leben und eine ausgeprägte Sehnsucht nach Gott, nach Gebet.

Mit sechzehn Jahren tritt Catherine in den Orden der Annunziatinnen in Bruyères ein. Doch bald bricht die Pest im Kloster aus. Die junge Novizin bleibt als einzige gesund, leidet aber sehr unter der bedrückenden Situation während der Epidemie, die alle Schwestern bis auf fünf hinwegrafft, und unter der mangelnden Ausbildung im Noviziat. Noch schlimmer sind jedoch die Bedrohungen durch den „Dreißigjährigen Krieg“ (1618-1648), der seit Anfang der 1630er Jahre auch in ihrer Heimat Lothringen tobt. Catherine und ihre überlebenden Mitschwestern müssen ab 1635 mehrmals von Ort zu Ort fliehen, ihr Kloster wird völlig niedergebrannt. Schließlich finden sie Zuflucht bei den Benediktinerinnen von Rambervillers. Dort lernt Catherine die Regel Benedikts kennen und fühlt sich von dem Text zutiefst angesprochen. Nach einer Zeit der Prüfung entscheidet sie sich, in den Orden der Benediktinerinnen überzutreten, wo sie den Ordensnamen Mechtilde erhält. 1640 legt sie in Rambervillers die benediktinische Profess ab.

Nach der Profess kann sie jedoch nur wenige Wochen in ihrem neuen Kloster leben. Krieg und Hunger verfolgen die Schwestern auch hier. Mechtilde flieht mit einigen Mitschwestern auf Umwegen nach Paris, wo sie zunächst für ein Jahr in der großen Abtei der Benediktinerinnen auf dem Montmartre bleiben kann. Nach weiteren Zwischenstationen in verschiedenen Klöstern und Hospizen lässt sie sich schließlich mit ihren Mitschwestern in der rue du Bac in Paris nieder. Dort wird sie von frommen adligen Damen „entdeckt”, die der mittellosen Flüchtlingsgemeinschaft großzügig helfen. Bald entstehen tiefe Freundschaften, und eines Tages tragen die frommen Damen an Mechtilde den Wunsch heran, angesichts des Glaubensmangels und der häufigen Entehrungen der Eucharistie in den fürchterlichen Kriegszeiten eine benediktinische Kongregation zu gründen, die sich besonders der Anbetung des in der Eucharistie gegenwärtigen Herrn widmet. Mechtilde ist von der Idee begeistert, da ihr die Eucharistie sehr am Herzen liegt, zögert aber, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Nach vielem Zureden erklärt sie sich schließlich bereit, es zu versuchen, weil sie Gottes Führung darin erahnt.

Sobald die notwendigen Genehmigungen der geistlichen und weltlichen Obrigkeit erfolgt sind, wird das Allerheiligste in der rue du Bac am 25. März 1653 zum ersten Mal zur Anbetung ausgesetzt. Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen als der Gründungstag des Instituts der „Benediktinerinnen von der Ewigen Anbetung des Hlst. Sakramentes“.

Ein Jahr später verlässt die Gemeinschaft die armselige Behausung der rue du Bac und zieht in ein größeres Gebäude in die Pariser rue Férou ein. Am 12. März 1654 wird dort die Klausur (der Wohnbereich der Schwestern) feierlich errichtet. Die anwesende Königin Anna von Österreich erklärt das Kloster offiziell zur königlichen Stiftung und betet die „Amende honorable“ (feierliches Sühnegebet) wegen der Gräuel des Krieges und der vielen Frevel gegen die Eucharistie.

Am 22. August 1654 erwählt Mechtilde die Gottesmutter Maria als immerwährende „Äbtissin” der Benediktinerinnen vom Hlst. Sakrament. Damit folgen sie einer alten Tradition, die bereits in der benediktinischen Reform von Cluny praktiziert wurde. Die Oberinnen der Klöster werden nicht als Äbtissinen mit Stab und Brustkreuz auftreten und auf Lebenszeit in ihrem Amt bleiben, sondern ohne jede äußere Insignie die schlichte Bezeichnung „Priorin” tragen und regelmäßig neu gewählt werden. Der Äbtissinnenstab bleibt an der Statue der Gottesmutter. Die inzwischen größer gewordene Gemeinschaft zieht im März 1659 in ein neues Klostergebäude in die rue Cassette in Paris um. Dieses Kloster wird bis zur Französischen Revolution bestehen bleiben.

Die erste Neugründung außerhalb von Paris erfolgt bereits 1664 in Toul in Lothringen. Rambervillers schließt sich zwei Jahre später dem neuen Institut der Benediktinerinnen vom Hlst. Sakrament an, 1669 folgt das Benediktinerinnenkloster in Nancy. Bis zum Tod Mechtildes am 6. April 1698, einem Weißen Sonntag, wird sie noch fünf weitere Klöster gründen.